Bin ich Feminist? Und, wenn ja, was für einer?

Kurzantwort: Ja, ich bin Feminist und zwar Gleichheitsfeminist.

Selbstzuweisungen sind immer eine schwierige Angelegenheit. Bin ich ein Feminist und wenn ja, welcher Richtung des Feminismus gehöre ich an? Diese Frage wurde mir, hauptsächlich von Gegnern des Feminismus, schon öfter gestellt. Tatsächlich ist diese Frage kaum zu beantworten, weil Feminismus nicht einfach ein Verein ist, dem ich beitreten könnte wie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Dort bin ich Mitglied und über den Fachverband, dem ich außerdem angehöre, könnte man definieren, welche Art von Physik ich betreibe. (Allerdings wäre auch diese Zuordnung problematisch.)

Aber Feminismus ist kein Verein. Es ist nicht mal klar, ob Männer überhaupt Feministen sein können. Das liegt nicht etwa daran, dass die Frauen uns nicht mitspielen lassen wollen. (Bei manchen Anti-Feministen bekommt man ja den Eindruck, sie verstünden Feminismus als Fortsetzung des Schulhofspiels „Jungs gegen Mädchen“.) Es hängt einfach damit zusammen, ob wir Feminismus als Bewegung von Frauen für Frauen auffassen, oder als eine Weltanschauung, deren Konzept und Argumente nicht vom Gender der vertretenden Person abhängen.

Ich löse dieses kleine Problem, indem ich mich selbst einfach nicht als Feminist bezeichne. Ich sehe es aber durchaus als Auszeichnung, wenn andere Menschen in meiner Argumentation feministische Elemente erkennen und mich aufgrund dieser Feminist nennen. Zum Beispiel hat mich die Bloggerin Sanczny ihrer Twitter-Liste mit Feministinnen und Feministen zugeordnet. Von Seiten einer Feministin nehme ich das als Kompliment. Was ist aber mein Standpunkt im Feminismus und warum betrachte ich es als Auszeichnung, dem Feminismus zugeordnet zu werden?

Es gibt Zahlreiche Gründe, warum wir (als Einzelpersonen und als Gesellschaft) Feminismus brauchen. Ein schönes Projekt mit der Bezeichnung Wer Braucht Feminismus sammelt dazu Statements. Es ist nicht erstaunlich, dass da auch Männer dabei sind. Im Internet gibt es ein paar Seiten, auf denen Tests Angeboten werden, mit denen Menschen feststellen können, ob sie Feminist_innen sind oder zumindest dem Feminismus nahestehen.

Der einfachste dieser Tests stellt genau zwei Fragen, „Glaubst du, dass alle Menschen gleich sind?“ und „Sind Frauen Menschen?“. Wenn du zwei Mal „Ja“ antwortest, bist du Feminist oder Feministin. Die zweite Frage brauchen wir nicht diskutieren. Wer dort mit „Nein“ antwortet verdient schlimmere Bezeichnungen als „Antifeminist“. Die erste ist aber gar nicht so leicht zu bejahen. Ich glaube nämlich nicht, dass alle Menschen gleich sind. Im Gegenteil: Menschen sind so verschieden, dass wir vermutlich nicht zwei gleiche finden werden. Gerade deshalb macht es in den allermeisten Situationen keinen Sinn, die Menschheit ausgerechnet nach ihrem Geschlecht in zwei Klassen einzuteilen.

Hier kann ich kurz auf die bange Frage eingehen, die mir Evolutions-Christian immer wieder stellt: Stehe ich dem Differenzfeminismus oder dem Gleichheitsfeminismus nahe? Die Antwort fällt mir leicht: Dem Gleichheitsfeminismus, weil ich denke, dass sich zwei Menschen in viel wichtigeren Punkten unterscheiden können als dem Geschlecht. Und weil zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts sehr viel gemeinsam haben können. Es geht also, aber das habe ich schon einmal geschrieben, nicht um Gleichmacherei aller Menschen, sondern im Gegenteil darum, dass Geschlecht in Berufsleben, Politik, Fernsehen und auch in vielen anderen Bereichen des Gesellschaftslebens nicht das Kriterium ist, nach dem über die Qualifikation von Menschen geurteilt werden darf.

Einen etwas besseren Test zur Frage, wer Feministin oder Feminist ist, gibt es auf dieser Website. Dieser Test enthält zehn Forderungen, denen ich mit einer Ausnahme allen eindeutig zustimme (strongly agree). An diesen Forderungen wird deutlich, dass es bei Gleichstellung der Geschlechter um mehr geht, als um formal gleiche Rechte für Männer und Frauen. Bei gleichen Rechten für alle Menschen können wir nicht stehen bleiben. Es geht um gleiche Chancen, gleiche Akzeptanz und darum, Ungerechtigkeiten auszugleichen.

Im Test habe ich 93% erreicht und bescheinigt bekommen, dass ich totaler Feminist aber nicht unbedingt Männerhasser (vielleicht sogar selbst ein Mann) sei. Ich denke einfach, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden sollten. Das sei eine einfache Idee, die aber in der Welt nicht leicht umzusetzen ist.

Was können wir tun, um diese Idee umzusetzen. Ich muss sagen, dass ich da nicht allzu aktiv bin. Ich versuche aber informiert und aufmerksam zu bleiben. Das ist leicht. Ich lese dazu Gruppenblogs wie Mädchenmannschaft oder Frau Lila und auch Einzelblogs wie die von @sanczny (oben verlinkt), Geschlechterchaos von Khaos.Kind, Regenbogenmaschine von Chwesta, Glücklich scheitern, Irgendwas mit Kadda und andere. Es ist nicht verwunderlich, dass sich die Autorinnen dieser Blogs nicht in allen Punkten einig sind. Natürlich herrscht auch bei ähnlichen Zielen oft Uneinigkeit darüber, auf welchem Weg sie zu erreichen sind. Aber es ist spannend, all die Facetten des Feminismus kennenzulernen.

Was ich als Wissenschaftsblogger selbst tun kann, ist auf die Sprache zu achten. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat vor etwas mehr als einem Jahr einmal klargestellt, dass das generische Maskulinum nicht funktioniert. Das könnt ihr jetzt auch als Film erklärt haben. Ich versuche in meinen Texten mittlerweile, generisches Maskulinum zu vermeiden. Mit den verschiedenen Möglichkeiten, wie Beidnennung , Schrägstrich, Binnen-I, Gendergap oder -sternchen experimentiere ich. Oft lässt sich ein Satz auch durch leichtes Umstellen geschlechtsneutral formulieren. Oder ich verwende einfach mal hin und wieder das generische Femininum.

Was außerdem ab und an auf meinem Programm steht, ist das kritische Hinterfragen von Studien, die angeblich belegen, dass Frauen eine ganz andere Spezies seien als Männer (Mars und Venus oder so). Sowas geschieht indem Unterschiede möglichst groß gerechnet werden oder Wissenschaftlerinnen in ihre Studie etwas hineininterpretieren, was das Studiendesign gar nicht hergibt. Einen kurzen Überblick zu diesen Beiträgen habe ich gegeben. Dieses Programm werde ich auch im kommenden Jahr weiterführen. Vermutlich in Zusammenarbeit mit Dorothee Scholz vom Projekt Genderpopender.

Damit möchte ich meine paar Gedanken zum Feminismus abschließen und euch allen, Feminist_innen und denen, die es noch werden müssen oder nicht werden wollen, eine frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünschen. Denn das hier ist mit großer Wahrscheinlichkeit mein letzter Beitrag dieses Jahres in diesem Blog.

44 Gedanken zu „Bin ich Feminist? Und, wenn ja, was für einer?“

  1. Allen, die in Genderfragen „nicht allzu aktiv“ sind, bist Du ein leuchtendes Vorbild. Danke, dass Du den ganzen Kram liest und zusammenfasst, was man davon mindestens wissen muss!
    Es ist ja auch eine schwierige „Frage, wer Feministin oder Feminist ist“. Ich zum Beispiel: Feminist oder Feministin? Und welche Rolle spielt das? 😉

  2. Vielen Dank für diesen Blogpost – dem ich (durchaus zu meiner Überraschung :-) ) weitestgehend zustimmen kann. Ich denke, ich werde dann im kommenden Jahr auch mal zu dem Thema bloggen.

    1. Forderung 4: „Women should take an equal role in dating. Women should ask out people they are interested in and take their turn in paying.“

      Ich bin nicht der Ansicht, dass wir uns in das Dating-Verhalten anderer Menschen einmischen sollten. Der überkommenen gesellschaftlichen Regel „Der Mann soll die führende Rolle in einem Date übernehmen und am ende Zahlen“ eine ebenso strikte Regel „Männen und Frauen sollen gleiche Rollen einnehmen und wechselweile Zahlen“ zu machen, schießt über das Ziel hinaus. Es sollte in einer Partnerschaft ein Konsens angestrebt werden, wie sie die Beziehung leben wollen.

  3. “ Bei manchen Anti-Feministen bekommt man ja den Eindruck, sie verstünden Feminismus als Fortsetzung des Schulhofspiels “Jungs gegen Mädchen”. “

    Ja, bei manchen Leuten, die sich zu dem Thema äußern, muß man das leider in der Tat feststellen. Aber deren Ideen haben mit Anti-Feminismus meiner Ansicht nach nichts zu tun. Sie sind – obwohl sie sich das label des Anti-Feminismus überziehen – für Leute wie mich, die Feminismus für einen gefährliche Ansammlung von Irrtümern und Platitüten halten, auf deren Basis wir unsere Gesellschaft aufgebaut haben, genauso ein Problem, wie für den einen vernünftigen Feminimus Autoren, die eine Bewegung von Frauen für Frauen favorisieren. Leider wagen feministisch bewegte Autoren in der Regel nicht, das auch laut zu sagen.

    Feminsmus als eine Weltanschauung, deren Konzept und Argumente nicht vom Gender der vertretenden Person abhängen, ist da wohl ein deutlich vielversprechender Ansatz. Woran es hingegen in dem Durcheinander feministischer Strömungen durchweg fehlt, ist sowas wie eine Adapation feministischer Forderungen an die lokale Gesellschaft und ich wundere mich immer sehr, daß das nicht als Mangel angesehen wird.

    Das hat in meinen Augen etwas damit zu tun, daß der Feminismus keine tragbare Gesellschaftstheorie entwickelt hat und mit der Analyse sozialer Situationen meistens überfordert ist. Und konsequenterweise führen die an sich begrüßenswerten Ideen wie Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit dann im Geschlechterzusammenhang auch zu recht merkwürdigen Entwicklungen.

    Was Anti-Feminismus daher meiner Ansicht nach wirklich will, ist, solche Analysen wie auch eine Gesellschaftstheorie nachzuliefern – eben weil sie dieselben Ideale wie Feministen vertreten. „Jungs gegen Mädchen“ ist ein Motto, daß sich bei der Mehrzahl maskulistischer oder anti-feministischer Autoren nicht findet und es wäre schön, wenn du, Joachim, auch Autoren aus dem anderen Lager lesen würdest. Auf den websites von Arne Hoffman kann man sich kinderleicht weiterhangeln.

    Anti-Feminismus ist daher eine weniger eine soziale Bewegung, sondern eine theoretische Herausforderung, deren Ende von vornherein feststeht: Falls die Feministen das Versäumte nachholen oder beigebracht bekommen, wird der Anti-Feminismus nicht mehr gebraucht und es bleibt eine Gruppe von Leuten übrig, die die Lebensumstände aller Menschen verbessern wollen. Feministen fördern hingegen eher sowas wie eine Art institutionalisierte Revolution und es ist wenig verwunderlich, daß sie dadurch den Spott der Anderen auf sich ziehen.

    Entsprechen sehe ich den Unterschied zwischen Anti-Feminismus und Maskulismus darin, daß der Maskulismus eine soziale Bewegung mit ganz praktischen Zielen ist, nämlich der Verbesserung der Rechte und er sozialen Lage von Männern. Für Feministen sollte eine solche Bewegung keine Problem sein, da sie Motivation geteilt wird, aber einmal das Augenmerk auf den Frauen und einmal auf dem der Männer liegt. Feministen haben mit dem queer-Feminismus ja auch bereits erkannt, daß man nicht nur Frauen schützen und fördern muß. Maskulisten haben von Anfang an das Miteinander der Geschlechter betont – was du auch leicht hättest nachlesen können.

    Soviel aus meiner Sicht zu den labeln: Anti-Feministen sind Theoretiker, die sich an den begrifflichen Rätseln abarbeiten, die der Feminimus, verstanden als Bewegung von Frauen für Frauen z.B. im Hinblick auf Gerechtigkeit oder soziale Dynamik hinterlassen hat.

    Der zweite Punkt: Maskulisten und Feministen brauchen aus meiner Sicht nicht gegeneinander zu arbeiten. Wo sie es dennoch tun, liegt etwas Unausgesproches im Argen, weil die Protagonisten etwas anderes tun, als sie vorgeben.

    1. Alter Schwede, so eine Anhäufung an verharmlosendem Blödsinn. Das kann und will ich so nicht stehen lassen.

      Arne Hoffmann erwähnst du ausgerechnet? Das ist der Mensch, der mit seiner Rotte von Maskulinisten grundsätzliche die gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau nicht nur erreicht sieht, sondern davon überzeugt ist, dass Männer inzwischen das benachteiligte Geschlecht darstellen. Das sind die Leute, die grundsätzliche Punkte wie z.B. warum Männer unterhaltspflichtig werden nicht verstanden haben und solchen Driss wie „finanzielle Abtreibung“ fordern. Weil sie einfach und unbeschwehrt weitermachen wollen mit ihrem verantwortungslosen Verhalten.

      Natürlich ist so ein maskulinistischer Driss nicht mit Feminismus vereinbar. Die Maskulinisten-Szene in Deutschland hat eben dem Feminismus und den andauernden Gleichstellungsbestrebungen den Kampf angesagt.

      Ja, auch Männer haben Probleme. Eine Männerrechtler-Szene, die z.B. für einen höheren Anteil von Männern im sozialen Bereich kämpft, wäre sicherlich willkommen – auch in der feministischen Szene. Du sitzt dem Irrtum auf, dass Feminismus nicht gut für Männer sein kann. Ist er aber.

      Ja, Feminismus sorgt auch dafür, dass Männer ihre Sonderstellung verlieren. Ich habe da keine Angst vor. Mann kann sich nicht hinstellen und sagen „ich bin für Gleichberechtigung!“ und gleichzeitig Maßnahmen ablehnen, die diese schaffen würden, weil damit ein Privilegienverlust einhergeht.

      Weder du noch andere Maskulinisten sind für Gleichberechtigung. Feminist_Innen sind es.

      1. Frauen haben 100% der Entscheidungsmacht wenn es um Elternschaft geht – Pille danach, verschiedene Formen der Abtreibung, Babyklappe oder Freigebung zur Adoption. All diese Möglichkeiten stehen Frauen offen und Männern nicht. Gut so!

        Aber da sie 100% der Entscheidungsmacht haben, verdienen sie auch 100% der Verantwortung!

        So sollte es zumindest sein, wenn Frauen als gleichwertige Menschen verstanden werden, und nicht – was allzuviele Feministen zu erwarten scheinen – als hilflos durch’s Leben torkelnde Opfer, für keine ihrer Handlungen selbst verantwortlich, und kontinuierlich auf ritterliche Hilfe angewiesen.

  4. „Weder du noch andere Maskulinisten sind für Gleichberechtigung.“

    Solche unqualifizierten Kommentare sind bei Feminismus Bewegten normal und es ist eben eines von vielen Problemen, daß feministische Strömungen solche Leute in ihren Reihen dulden: Wer sich auf der anderen Seite die Entwicklung in den maskulistischen blogs ansieht, der bemerkt schnell, daß solche Entgleisung unter Maskulisten nicht geduldet werden.

    1. Was ich dargelegt habe, ist eine Beschreibung für einen vernünftigen Anti-Feminismus. Das ist ein begriffliches Problem, kein empirisches. Das wird von Natanji nicht bemerkt, da hier gleich in die Faktendiskussion eingestiegen wird.

    2. Arne Hoffmann ist tatsächlich ein sehr gemäßigter Autor, der konsequent nicht nur gegen rechtsradiakle Idioten, sondern für ein kooperatives Miteinander der Geschlechter eintritt. Das können Interessierte ohne weiteres selbst nachlesen. Warum hier der Maskulismus unnötig dämonisiert und künstlich zum Feindbild hochstilisiert wird, anstatt Kräfte im Sinne der Gerechtigkeit zu bündeln, weiß ich natürlich nicht. Aber offenbar hat Natanji bei allem Kampf gegen Untersdrückung genug Resourcen, sich neue Freinde herbeizufantasieren: Wohl dem, dem es so schlecht geht.

    3. Was ich will, kann nur ich wissen. Ob das, was ich sage, stimmt, können wir hingegen alle gleichermaßen beurteilen. Auch dieser Punkt ist für Natanji offenbar ebenfalls zu schwierig.

    Eine interessante Frage wird vom dem Kommentator, der sich – wie bei Feministen üblich – hinter einem Pseudonym versteckt, tatsächlich angerissen: Kann der Feminismus gut sein für Männer? Das wird bejaht, aber – auch das ist üblich – es wird nicht gesagt, warum.

    Ich kenne zu dieser Frage die Position, daß auch Männer von Männern unterdrückt werden, heterosexuelle Männer, nicht nur homosexuelle. Und das der Feminismus beansprucht, auch diese Männer zu befreien. Im Prinzip habe ich nichts dagegen, aber was mir dabei immer fehlt, ist eine Auskunft darüber, wie sich die von Feministen typischerweise geforderten Maßnahmen mit dem Protektorat unterdrückter Männer vereinbaren lassen.

    Wenn hier Raum ist, diese Frage zu diskutieren und Joachim mir nicht wieder den Mund verbietet, könnte sich eine Diskussion darüber hier durchaus lohnen. Vielleicht gibt es ja auch andere Ansichten dazu und im Gegensatz zu Natanji ist mir jede Hilfe willkommen, die es mir als heterosexueller Mann erlaubt, Chancengleichheit zu bekommen und soziale Diffamierungen abzubauen: Für ideologische Spitzfindigkeiten ist hier kein Raum.

    Um nun kurz auf den inhaltlichen Rundumschlag von Natanji einzugehen: Meine Positionen zur Unterdrückung von Männern und zu den ausstehenden Wiedergutmachungen der Frauen an die Männer gehen weit über das hinaus, was bei Arne Hoffman diskutiert wird.

    Allerdings sind meine Positionen nicht Gegenstand von Joachims post, den mit dieser Diskussion zu belasten, ich nicht das Recht habe. Dafür bereite ich selbst einen blog vor, wo es dafür solche Diskussionen ein Forum geben wird.

    1. Is klar Digger. Mit Leuten, die in der dritten Person über den Gesprächspartner schreiben, schreibe ich nicht. Viel Spaß beim weiter Bullshit verbreiten. Die Quote verhindert ihr trotzdem nicht. 😉

  5. Ich habe noch ein paar Fragen an Joachim zu seiner feministischen Position:

    Du sagst, daß du Studien, die angeblich belegen, dass Frauen eine ganz andere Spezies seien als Männer, kritisch hinterfragen willst. Bedeutet das, daß du den Differenzfeminismus für sexistisch hälst oder vielleicht gar nicht als Feminismusspielart ansiehst?

    Du sagst, es gehe in deinem Feminismus um gleiche Chancen, gleiche Akzeptanz und darum, Ungerechtigkeiten auszugleichen. Das halte ich für schöne Motivation aber zugleich auch ein sehr anspruchsvolles Unternehmen:

    Die Existenz von Chancen als abstrakte Entitäten nachzuweisen, ist nicht so einfach und das sie nicht vorgelegen haben, noch viel mehr. Wie willst du dieses Problem lösen? Desweiteren kann man vom philosophischen Standpunkt geradezu von einer Krise der Gerechtigkeit reden: Gerechtigkeitstheorien sind ein lange unbeackertes Feld und es wäre dringend Zeit, dort Kräfte zu bündeln. Sicher hast du schon über ein Konzept zu Verteilungs- und zu interpersonellen Gerechtigkeit nachgedacht. Mich würde sehr interessieren, es zu hören.

    1. Elmar, das sind wirklich spannende Fragen, die ich nicht zwischen Tür und Angel beantworten kann. Deshalb wünsch ich dir einfach erstmal eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch. Vor Ende des Jahres werde ich zu keiner fundierten Antwort mehr kommen.

  6. Danke, meine besten Wünsche auch für dich.

    Und das in der Sache abzurunden, hänge ich dir – nur zu deiner Information – meine Position zur Frage der biologischen Unterschiede an.

    Als Naturalist lehne ich jede Art unsterblicher Seele oder sowas ab. Stattdessen fasse ich den Menschen als biochemische Maschine auf, die sprechen gelernt hat. Damit muß man zur Erklärung aller mentalen und damit auch der sozialen Unterschiede letztlich auskommen.

    WENN man nun die biochemische Basis (vielleicht das Gehirn?) z.B, zwischen irgendwelchen Geschlechtern ändert, DANN würde es mich außerordentlich wundern, wenn sich KEINE Unterschiede in der Verteilung ALLER mentalen Merkmale zwischen irgendwelchen Geschlechtern finden würde. Denn wäre es so, dann wären die ja unabhängig vom erzeugenden biochemischen System und diese Unabhängigkeit wird vom Naturalisten ja gerade bestritten: Wenn das Gehirn krank (z.B. progresssive Paralyse) und z.B. durch einen Unfall verletzt wird (Beispiele bei Oliver Sachs), dann wundert sich ja auch niemand, daß sich die Persönlichkeit irgendwie verändert.

    Wohlgemerkt: Hier geht es um Statistik und um Momente von Verteilungen und man fängt bei der Biologie an und findet was im Sozialen.

    Das geht. Solche Schlüsse können im Einzelfall unseriös sein, aber es können nach meiner Meinung NICHT ALLE Schlüsse dieser Art unseriös sein. Das sind – so hab ich das verstanden – Fragen, die dich interessieren. Mich interessiert sowas weniger und ich warte einfach die endgültige Meinung der jeweiligen Experten ab.

    Was NICHT geht – und da hab ich bei Scilogs im Primzip schon alles Wesentliche im letzten Jahr gesagt – ist die andere Richtung: Man kann AUF KEINEN FALL ein soziales oder mentales Phänomen bei einer einzelnen Person oder einen entsprechenden Unterschied bei den Geschlechtern (viele Personen) hernehmen und ZURÜCKSCHLIESSEN, daß dieser biologischen Ursprungs sein MUSS: Dafür braucht man Modelle des Zusammenhangs zwischen Geist und Gehirn, die aus philosophischen Gründen nie richtig sein können.

    Das Fiese (folgt aus der Menge der philosophischen Resultate, können wir gerne mal drüber reden) an diesem Punkt ist, daß es zwar wahr sein kann, daß ein solcher Unterschied biologisch bedingt ist, aber wir können das niemals WISSEN. Es ist also nicht auszuschließen, daß es eine Geschlechterungleichheit gibt, die wir beseitigen möchten, es aber nie schaffen können. Und wenn es so ist, können wir nicht wissen, daß es so ist.

    Die Diskussionen, die du mit Christian von ALLES EVOLUTION führst, sind aber nach meiner Einschätzung aus einem anderen Grund sinnlos. Ich halte die feministischen Anliegen durch die Bank für begründbar trotz aller – meinetwegen zugegebenen – biologischen Unterschiede zwischen sonst wievielen Geschlechtern. [Argument ist hier eingespart.]

    Worum es euch in euren Diskussionen hingegen vielleicht wirklich geht, ist, wie ihr die Ungerechtigkeiten MESSEN wollt. Nach allem, was ich so lese, funktioniert das für euch alle immer gleich: Ihr nehmt einfach eine empirische Ungleichverteilung und macht hinsichtlich der Ungerechtigkeit einen Schluß auf die beste Erklärung. Es ist eine Sache, diesen Schluß auf die beste Erklärung zu kritisieren. [Meiner Ansicht nach ist der IMMER falsch, aber das will ich hier nicht weiter verfolgen.] Aber selbst wenn man das „reparieren“ könnte, ist GLEICHVERTEILUNG kein geeignetes Maß für Ungerechtigkeit. Denn bei all den sich summierenden Einflüssen ist nach dem zentralen Grenzwertsatz die Gleichverteilung die unwahrscheinlichste aller in der Realität vorfindbaren Verteilungen – allein aus strukturellen Gründen, das muß dir klar sein. Und weil das so ist, werden trivialerweise auch Geschlechterquoten immer irgendwo ungerecht sein.

    Was Feministen und letztlich alle, die Gerechtigkeit in einer Gesellschaft wollen, benötigen, ist eine sinnvolle Definition einer gerechten Verteilung einer Resource und ein Verfahren, die gerechte Verteilung von Chancen, Rechten etc. adäquat zu messen. Theorien der Verteilungsgerechtigkeit sind aber noch naiv und es liegen noch lange keine quantifizierten Versionen vor – von einem Gerechtigkeitverständnis zwischen Personen ganz zu schweigen. Adäquatheit bedeutet hier z.B. Unabhängigkeit des Maßes von Skalentransformationen oder „Basiswechseln“ und sowas.

    Meiner Ansicht nach sind das extreme Herausforderungen und was es so an feministischer Praxis (blogs, Initiativen) und feministischer Theorie gibt ….. na ja …. da sieht es ganz dunkel aus und es wird deutlich mehr kaputt gemacht, als geholfen … ich hab selten so viele Dummköpfe auf einem Haufen gesehen – nur in der Evolutionspsychologie/Soziobiologie ist es schlimmer.

    Also: Die eine Seite deiner feministischen Anstrengungen (schlechte Studien entlarven) macht in meinen Augen Sinn. Da würde ich aber nur mitlesen. Die gesellschaftsgestaltende und moralische Komponente deiner feministischen Perspektive halte ich aus den genannten Gründen für falsch und ihr arbeitet euch an einer Stelle ab, die eurem eigenen Anliegen gar nicht nützlich ist.

    Dies nur zu deiner Information, damit du bei künftigen Diskussionen mit mir weißt, woher der Wind weht – ganz grundsätzlich.

  7. Ich glaube, Herr Schulz, Sie machen sich die Sachen etwas zu einfach: Selbst Esther Vilar, Alan Sokal, Hadmut Danisch und ich wären Feministen, gemessen an den vorgestellten Tests. Niemand von uns bestreitet, daß Frauen Menschen wären oder ihnen nicht dieselben Rechte zustünden, oder daß ihnen nicht berufliche Tätigkeit und Ausbildung verweigert werden dürfen. Die umstrittenen Gegenstände sind z.B.: Frauenquote, Poststrukturalismus, Kachelmann etc.

    Ich wünschen Ihnen ein schönes Jahr 2013!

    1. Ich denke, dass Sie den „Test“, der ja eigentlich ein Forderungskatalog ist, falsch verstehen. Es geht im Feminismus nicht nur darum, den Frauen dieselben Rechte zuzugestehen oder ihnen eine berufliche Tätigkeit oder Ausbildung nicht zu verbieten. Bilden Sie sich wirklich sein, das könnten Sie, selbst wenn sie wollten?
      Es geht um viel mehr als formale Gleichberechtigung, nämlich unter anderem um Chancengleichheit. Also Förderung, die sich nicht am Geschlecht, sondern am individuellen Bedarf festmacht. Oder auch, weil sie den gesellschaftlichen Umgang mit Vergewaltigungsvorwürfen ansprechen, darum, Opfer sexueller Gewalt ernst zu nehmen.

      1. Also Förderung, die sich nicht am Geschlecht, sondern am individuellen Bedarf festmacht.

        …heißt das jetzt, daß Feministen nicht für Frauenquoten eintreten?

        Ich selbst finde institutionalisierte Kindererziehung richtig, um Frauen die Karriere zu ermöglichen. Das macht mich aber nicht zum Feministen. Wesentlich für den Feminismus ist, daß ihn gesellschaftliche und vor allen Dingen wirtschaftliche Zusammenhänge nicht interessieren. Das unterscheidet ihn vom Marxismus. Letzterem werfen Feministen vor, die Frauenfrage nur als Nebenwiderspruch zu behandeln, und zwar allein deshalb, weil Marxisten zum Beispiel die geringere Entlohnung weiblicher Arbeitskräfte oder das Patriarchat definieren und erklären.

        Für Feministen ist es typisch, daß sie allem, was sie bedrückt, eine persönliche Verantwortung bestimmter Menschengruppen zuschreiben müssen, insbesondere Männern. Letzteres ist das, was Antifeministen Männerhaß nennen. Politische Macht, Wissenschaft, Technik etc. sind grundsätzlich männlich, und nur zum Zwecke der Frauenunterdrückung da. Daß die Konzepte „Mann“ und „Frau“ dabei ziemlich falsche Abstraktionen darstellen, da in beiden Konzepten Obdachlose, Migranten ebenso enthalten sind wie Millionerben, bringt Feministen nicht aus der Ruhe. Kapitalismus kommt überhaupt nicht, Reproduktionsarbeit nur am Rande in feministischen Theorien vor. Damit das auch weiterhin so bleibt, stellen Feministen ihre Theorien auf die Grundlage subjektivistischer, reaktionärer Philosophien wie Psychoanalyse, Foucaultismus oder irgendeiner Art Esoterik. Das Ergebnis sind dann genau diese Sekten, die das Internet, den Rechtstaat und Moscheen abschaffen wollen.

        1. Sie sind ja niedlich. Wäre es nicht angebracht, sich einmal über die Bewegung zu informieren, bevor Sie sich dazu äußern? So ernten Sie vielleicht etwas Ablaus von Leuten, die ebenso uninformiert sind wie Sie. Aber wie soll ich Sie damit ernst nehmen?

          Ich habe ja oben schon angemerkt, dass ich den Jungs-gegen-Mädchen-Maskulinismus nicht ernst nehmen kann.

          Um Ihre Frage abschließend noch zu beantworten: Ich bin für eine Frauenquote in Führungsposten. Die lässt sich ganz Genderneutral formulieren. Zum Beispiel, indem man in Führungsgremien einen Höchstanteil von 60% eines Geschlechts zulässt. Damit gibt es dann auch keine Diskriminierung von Menschen, die sich weder mit dem einen noch mit dem anderen Geschlecht identifizieren können.

          1. Nein, eine solche 60%-Maximalgrenze wäre nicht gerecht. Um einen Führungsposten zu erlangen, muß man nämlich schon privilegiert sein, denn nicht jeder kommt ja für einen solchen Posten in Frage. Von Leuten, die für einen Führungsposten in Frage kommen, gibt es unter den Weibern aber weniger. Das liegt zum großen Teil an der Familienverantwortung, die praktisch dem weiblichem Geschlecht allein auferlegt wird. Die Hausfrauen, Teilzeitbeschäftigten und auf sonst eine Art an der Karriere behinderten Frauen muß man von den 60% abziehen, sonst privilegiert man eine ohnehin schon privilegierte Teilgruppe einer im Durchschnitt unterprivilegierten Gruppe. Davon haben die Hausfrauen, Ladenkassiererinnen, Putzfrauen und Teilzeitbeschäftigten aber nichts. Außerdem werden Führungsposten häufig unter männlich dominierten Berufsgruppen rekrutiert, etwa unter Ingenieuren.

  8. „Das liegt nicht etwa daran, dass die Frauen uns nicht mitspielen lassen wollen. “

    In Teilen des Feminismus wollen sie dies durchaus nicht:

    Versteht ihr nicht, was passiert? Die Debatte wird legitimisiert dadurch, dass auch Männer* Sexismus schlimm finden. Das. Ist. Sexismus. Ja, ich freue mich ehrlich drüber, wenn ich sehe, dass ein paar Typen es geschnallt haben. Ja, ich freue mich auch drüber, dass sie ihre Position nutzen, um die Ideen einer breiteren Leser*innenschaft zuzutragen. Nein, ich werde sie deswegen nicht retweeten. Denn das, was sie da sagen, wird gerade von mindestens 5 Frauen* woanders auch gesagt und steht, viel besser (von Frauen*) beschrieben, schon seit 10 Jahren im Netz. Geschrieben von Leuten, die tatsächlich wissen wie es ist so zu leben. For realz.

    (…)

    was du tun darfst/kannst, ist die Stimme von Frauen* zu verstärken. Retweeten, verlinken, sagen woher deine Anti-Sexistischen Ideen kommen und wo Leute mehr dazu lesen können.

    Mund halten ist manchmal auch ganz nett, gerade zum Beispiel.

    Und vielleicht mal lernen, dass es nicht immer um dich geht

    Oder hier:
    http://feminismus101.de/koennen-maenner-feministen-sein/

    Vor kurzem gab es eine Welle an “männlichen Feministen” die in den Foren wo ich reinschaue posten. Zuerst sah ich sie und dachte mir, großartig! Ich meine, ich mag Feminist*innen, und ich mag Männer, also könnte ein meinen, eins mag diesen angeblichen Hybrid aus beidem ebenfalls. Und tut es dann am Ende doch nicht so sehr. Es stellte sich heraus, dass die meisten der Männer, die ich persönlich kenne und ein großes Ding daraus machten, sich als Feminist zu identifizieren, entweder Date Rapists waren, Mütterfetishisten, süchtig nach Pornographie, oder als “Papa Bär” ihre frustrierten, pseudoväterlichen Neigungen Frauen aufdrängten. Sie sind einige der passiv-aggressivsten, bevormundendsten, “Austeilen aber nicht einstecken können”-Flaschen auf diesem Planeten, und verpesten die Frauenbewegung aus dem Inneren heraus indem sie jedem die gottverdammte Energie verzehren.

    oder hier:
    http://allesevolution.wordpress.com/2011/08/11/wenn-manner-einen-bestimmten-teil-des-feminismus-mogen-dann-funktioniert-er-nicht-richtig/

    What is feminism? A political movement to overthrow male supremacy, according to us radicals. These days, however, young women (and men) are increasingly fed the line from “fun feminists” that it is about individual power, rather than a collective movement.

    Caitlin Moran, whose best-selling book has made her into one of the country’s best-known fun feminists, is an apologist for porn and wasted an opportunity during a feminist debate on Newsnight to joke about cardigans. The writer Natasha Walter claims that being able to wear trousers and drink beer on her own means sexism is dead, and other “feminist-lite” types can be found blogging nonsense about the need to include men in our movement and not offending the poor dears with mentions of rape and domestic violence.

    We need to bring back the radical edge to feminism, and do away with any notion that slutwalking, lap dancing, sex working or Burkha-wearing is liberation for women. If men like a particular brand of feminism, it means it is not working. “Fun feminism” should be consigned to the rubbish bin along with the Lib Dem party.
    (…)
    In others, men in feminist groups just tend to become leaders – many before they’re ready. It’s a feminist activist group glass escalator, and on some level it makes sense. It makes sense to fight back against stereotypes by having men at the forefront of feminist groups. It’s a great PR strategy. That is, until it completely backfires.

    By placing men in leadership positions just to give off the impression that men are active and involved in feminist politics and organizing, some groups are also giving off the impression that feminism is only relevant if men are in charge of it. This is the antithesis of what feminism should be about, and it only seeks to serve a patriarchal definition of importance in the first place. You can’t smash the patriarchy by adhering to its demands for the privileged to always be calling the shots.

    Ein Teil des Feminismus will also tatsächlich nicht, dass du mitspielst. Du sollst lieber den Mund halten und Frauen keinen Raum wegnehmen. Und wenn dir Feminismus gefällt, dann ist er nicht radikal genug.

    Es heißt immer DEN Feminismus gibt es nicht. Merkwürdigerweise wird das ausgeblendet, wenn dann Sätze wie der deine kommen. Da gibt es dann plötzlich den Feminismus und er will Männer nicht ausschließen.

    Ich habe übrigens auch nichts gegen den Feminismus. Nur gegen einige Spielarten des Feminismus, weil ich dort die Theorien höchst unlogisch finde. ZB Butler und Co. Es ist dort eben reine Philosophie, mit über Lacan modifierten Freud. Empirische Studien werden von ihr nicht verwertet oder mit einbezogen. Es ist ein höchst unwissenschaftlicher Ansatz, der mit moderner Forschung nicht in Einklang zu bringen ist.

    Ich würde mich aber durchaus als Equityfeminist bezeichnen, da ich natürlich für eine Gleichberechtigung von Frauen eintrete.

    1. Glaubst du wirklich, dass mir irgendwas davon neu ist? Selbstverständlich gibt es nicht den Feminismus. Deshalb mache ich ja hier so viele Worte darum. Wenn mit dem Begriff „Feminismus“ schon klar wäre, wofür oder wogegen ich genau eintrete, dann würde der Satz „Ich bin Feminist“ ja reichen.

      Equityfeminismus ist kein Feminismus.

      Und ja, ich bin mir über die Problematik bewusst, die damit einhergeht, wenn ich als Mann versuche, den Feminismus mitzuprägen. Ich kann auch mal den Mund halten, wenn es angebracht ist.

      1. „Equityfeminismus ist kein Feminismus.“

        Und das bestimmt wer? Das feministische Zentralkomitee? Nach welchen Voraussetzungen sprichst du ihm das ab?

        Er setzt sich für Gleichberechtigung der Frau ein. Ist das nicht deine Definition gewesen?

        Wie man das nicht als Feminismus bezeichnen kann, Differenzfeminismus aber schon, das würde mich wirklich interessieren

        1. Mach ich, wenn ich mit Gendertrouble durch bin.

          Ist halt sehr theoretisch und meines Erachtens müssen wir nicht Butlers Theorie verstanden haben, um Gleichstellung als politisches Ziel zu verfolgen.

          1. Wenn du dich mit Butler ernsthaft beschäftigst, könnte ich mein philosophisches Vorwissen einbringen. Das könnte eine interessante Diskussion werden.

            Vorausgesetzt, daß du mit mir Anti-Feministen redest. 😉

  9. Nach dem Test bin ich übrigens auch Feminist.

    You are a total feminist. This doesn’t mean you’re a man hater (in fact, you may be a man).
    You just think that men and women should be treated equally. It’s a simple idea but somehow complicated for the world to put into action.

    Den Test besteht man als Equityfeminist und gemäßigter Maskulist ohne Probleme.

    Auch wenn die Fragen ziemlich merkwürdig formuliert sind

  10. Erst einmal, ganz unabhängig von der Diskussion und den recht heißgeredeten Ohren hier, Ihnen einen Dank – Sie sind wohltuend zu lesen. Dass Sie sich die Frage stellen, ob Sie ein Feminist sind, und die Antwort dann auch kontrovers diskutieren, finde ich gut.

    Ich selbst tue mich als Frau mit einer Positionierung ungeheuer schwer. Bin ich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau? Aber ja, es wäre in meinen Augen dumm, dagegen zu sein. Was bin ich aber dann? Gleichheitsfeministin oder Differenzfeministin? Bin ich überhaupt Feministin? Bin ich Maskuli(ni)stin? Bin ich irgendeine -istin? Ich weiß es nicht.

    Ich kann über meine Haltung, meine Meinung, meine Lebenserfahrungen als Frau mit Frauen und Männern sprechen. Wie Sie richtig anmerken, sind die Feministen kein Verein, vertreten keine homogene Einstellung, sie nehmen keine Mitgliedsbeiträge und die Bandbreite rangiert von „total radikal“ bis „pro forma“. Ebenso verhält es sich auch mit den hier angesprochenen Maskulinisten. Was ich auf den Websites mancher selbsterklärter Maskulinisten lesen und sehen durfte, machte mich zum Teil gallenbitter – da standen Grafiken online mit Bildkompositionen, in denen der Mann (Typ „Conan, der Barbar“) breitbeinig hinter einer am Boden drapierten Blondine im Blechbikini stand und es wurde seitenweise erklärt, was richtige Frauen seien, wie die auszusehen hätten und wo ihr Platz sei. Davon wird mir zugegebenermaßen schlecht. Ich habe aber auch schon von Maskulinisten gelesen, deren Einsichten über mangelnde Männerrechte mir plausibel, angemessen und gerechtfertigt erscheinen. Wenn man sich jetzt auf Teufel komm raus in die Haare kriegen will, dann kriegt man das garantiert hin und praktiziert damit die von Ihnen angemerkte Schulhof-Streiterei. Und manche, Frauen wie Männer und Feministen wie Maskulinisten, betreiben dies bis zum Erbrechen und bringen uns als Menschen damit weder weiter noch einander näher. Da ist es eigentlich völlig egal, was für ein Etikett draufklebt, und die Äußerung „Wahre Maskulinisten/Feministen würden dies/das/jenes nicht tun/sagen“ ist nutzlos und überflüssig, eben weil man erstmal definieren müsste, was denn wohl ein „wahrer Maskulinist“ oder ein „wahrer Feminist“ sei. Die gibt es in meinen Augen ebenso wenig wie wahre Katholiken oder wahre Muslime. Letztlich sind wir Menschen mit Einstellungen, und die sind immer subjektiv.

    Ich nehme meine eigene da nicht aus. Aber die ist es vielleicht auch wert, erzählt zu werden. Ich bin in einem Elternhaus groß geworden, in dem Sexismen der verschiedensten Art (und darüber hinaus sexuelle Gewalt) an der Tagesordnung waren. Das fing damit an, dass meine Mutter gleich nach meiner Geburt schwer enttäuscht war darüber, dass ich kein Junge war. Man tröstete meine Eltern mit einem Gedicht, in dem die Zeile „Auf Euren Thron kommt ganz bestimmt bald noch ein strammer Sohn!“ vorkam. Ich bin mit diesem Manko aufgewachsen und tat alles um zu beweisen, dass ich all das kann, was ein Junge kann. Nicht, dass ich das heute noch irgendwie bezweifeln würde, aber es führte dazu, dass ich mich als defizitäres Wesen wahrnahm. Diese biografische Begebenheit soll hier nur als ein Beispiel dienen, alles zu erzählen würde hier zu weit führen. Sie bietet eine von mehreren Erklärungen dafür, warum ich heute noch hochgradig allergisch darauf reagiere, wenn Biologisten der Welt erklären wollen, warum es genetisch bedingt sei, dass weibliche Menschen nun einmal von der Venus seien, nicht einparken könnten, Rosa mögen und passiv seien und lediglich ihre „natürliche“ Bestimmung zum Kinderkriegen erfüllen sollten.

    Insofern sind Ihre kritischen Betrachtungen entsprechender wissenschaftlicher Studien für mich ein Augenöffner. Solche Studien sind nämlich sehr dazu angetan, in mir Selbstzweifel zu wecken und an schlechten Tagen für den resignierten Gedanken zu sorgen, dass ich mich mit dem vermeintlich Natürlichen eben irgendwie zu arrangieren hätte und mein Drang, dagegen zu kämpfen, das Problem sei, nicht die Strukturen selbst. Sich zu wehren ist nicht so einfach, wenn man in einer Welt aufwächst, in der die Minderbewertung der eigenen Person aufgrund des Geschlechts Normalität ist, die man erst viel später zu hinterfragen lernt.

    Nun ist es mir aber auch aufgefallen, dass es zu einem nicht unerheblichen Maße Frauen sind, die geschlechterdiskriminierende Haltungen tradieren. Das oben angeführte Beispiel meiner Mutter, die von Beginn an einen Jungen mehr wertschätzte als ein Mädchen, ist eines von vielen. Auch das Bild der Frau, die alles zu ertragen und zu dulden hat, die verfügbar sein muss, aber dagegen nichts machen kann, stammt von ihr. Mit einer Mutter voller Selbsthass wird man keine Tochter, die stolz darauf ist, eine Frau zu sein. Darüber hinaus kommt aber auch noch ein ausgeprägter Männerhass dazu, ein implizites „Alle Männer sind Schweine!“, eine schwere Hypothek für Kinder, denen das mit auf den Weg gegeben wird. So betrachtet bin ich froh, dass meine Mutter keinen Sohn hatte, denn auch der hätte eine erhebliche Belastung mit sich herumtragen müssen und sicher kein gutes Selbstbild entwickeln können. Die Schuld an diesen Strukturen nun einseitig den Männern zuzuschreiben, halte ich für einen kapitalen Fehler. Mein Vater war ein Schwein (mit Verlaub), aber meine Mutter war eine mündige Person, die ebenso ihren Narzissmus hätte überwinden und ihre Verantwortung wahrnehmen können. Sie tat es nicht, und zwar unter anderem auch aufgrund der materiellen Vorteile, die ihr diese Strukturen brachten.

    Ich will meine Lebensgeschichte hier nicht breit treten. Ich wollte nur deutlich machen, wie schwer es ist, sich von einseitigen Schuld- und Rollenzuweisungen zu lösen und zu verstehen, dass das, was weltweit geschieht, weder zum Vorteil der Frauen noch der Männer ist. Umschwünge in einseitige oder polarisierende Betrachtungsweisen, Backlashes in Richtung althergebrachter Rollenverteilungen und zur Schau getragener, offener Sexismus beider Seiten sind meiner Auffassung nach Zeichen einer tiefen Verunsicherung von Frauen und Männern gleichermaßen. Die wunden Punkte liegen offen, und es braucht oft nur einen winzigen Anlass, damit sich jemand angegriffen und zutiefst verletzt fühlt und dann scharf schießt. Wir sind es nicht gewohnt, mit diesen Verletzlichkeiten umzugehen. Entsprechend schwer ist es auch, sich selbst immer um eine differenzierte Haltung zu bemühen.

    Ich brüte bereits seit längerem an einem eigenen Blogbeitrag zum Thema Differenz und Gleichheit und arbeite noch dran. Den Input, den ich hier bei Ihnen und anderswo dazu finde, ist aber in meinen Augen sehr fruchtbar. Haben Sie herzlichen Dank.

  11. @Joachim
    „Ich versuche in meinen Texten mittlerweile, generisches Maskulinum zu vermeiden.“

    Das ist ja noch relativ einfach. Aber wie machst du das, wenn du dich mit deinem Nachbarn, einer Studentin oder besser: einem völlig fremden Menschen unterhälst? Redest du da wie allgemein üblich, oder bemühst du dich dann auch um eine gendergerechte Sprache?

      1. Es geht um viel mehr als formale Gleichberechtigung, nämlich unter anderem um Chancengleichheit.

        Es geht aber auch nicht schönes Sprechen oder andere Etiketten. Gerchtigkeit kann man so nicht herstellen. Im Gegenteil: Die geschlechtsspezifisch negativen Zuschreibungen werden beim „Gendern“ immer wieder auf Frauen projiziert. (Dafür ist es überigens völlig gleichgültig, was ein Anatol Stefanowitsch meint. Sprache gehört den Sprechern. Wenn die das Maskulinum ggf. generisch Verwenden, dann funktioniert es auch.) Eine Physikerin ist eben kein Physiker, sondern ausdrücklich eine Frau. Weiteres muss da gar nicht gesagt werden.

        Ungereimtheiten und Unplausibilitäten wie diese sind es, die den Feminismus zu einer unwissenschaftlichen Ideologie machen, die Frauen und Männern letztlich einen Bärendienst erweist, indem sie sich immer wieder selbst delegitimiert.

        Wer sich ernsthaft für gleiche Chancen einsetzt, sollte sich andere Wege suchen, als dieser Ideologie anzuhängen.

        1. Sie haben recht, wenn Sie betonen, dass geschlechtergerechte Sprache allein noch keine Gleichstellung bewirkt. Nur habe ich das auch nirgends behauptet. Das Bemühen um geschlechtergerechte Sprache ist halt etwas, was ich sehr direkt selbst tun kann. Besser das als gar nichts.

          Die Ungereimtheiten und Unplausibilitäten, die Sie hier zu erkennen glauben, sehe ich nicht. Gerade weil eine Physikerin nicht dasselbe ist, wie ein Physiker. Gerade weil wir es im Deutschen kaum hinbekommen, einen vollständigen Satz zu formulieren, ohne über das Geschlecht des Subjekts nachzudenken, ist es so wichtig, sich mit Sprache auseinanderzusetzen. Übrigens bin ich genau deshalb ein großer Fan der Beidnennung.

          Wenn Sie mit „diese Ideologie“ Feminismus meinen, dann ist Ihr letzter Satz widersprüchlich. Der Einsatz für gleiche Chancen ist es, was die verschiedenen Strömungen des Feminismus verbindet. Sie meinen also, wir könnten nur feministisch sein, wenn wir nicht dem Feminismus anhängen. Naja, wenn Sie meinen…

  12. Das Bemühen um geschlechtergerechte Sprache ist halt etwas, was ich sehr direkt selbst tun kann. Besser das als gar nichts.

    Eben. Aus (vermeintlichem) Mangel an Handlungsmöglichkeit wird die „geschlechtergerechte“ Sprache zum Ablasshandel.

    1. Naja, man kann ja das eine tun und das andere nicht lassen. Ich halte zum beispiel Quoten in Führungspositionen für ein geeignetes Mittel, das ich aber in meiner Position nur bewerben aber nicht selbst durchsetzen kann. Und selbstverständlich bemühe ich mich, wo ich Personalverantwortung habe um Chancengleichheit.

      Aber bin ich Ihnen tatsächlich rechenschaft Schuldig, ob ich auch aktiv genug bin? Machen Sie mir doch Vorschläge, wo ich aktiv werden soll oder wo ich etwas übersehe. Bisher scheint mir Ihre Position reichlich zynisch. Geschlechtergerechte Sprache geht ihnen nicht weit genug, also sind Sie dagegen. Sind sie auch für irgend etwas?

  13. Geschlechtergerechte Sprache geht ihnen nicht weit genug, also sind Sie dagegen.

    Ich bin aus anderen Gründen dagegen. Einige sind oben angerissen.

    Was Sie angeht, so sind Sie natürlich niemandem Rechenschaft schuldig. Aber darum geht es auch gar nicht. Ebensowenig muss ich Ihnen Vorschläge machen.

    Es ist ein ziemlicher Offenbarungseid, wenn jemand schreibt, aus Mangel an Handlungsmöglichkeiten wenigstens schön zu sprechen. Meinen Sie wirklich, in einer Welt voller Sexismus gibt es für Sie keine wirksameren Ansatzpunkte? Dann kann ich Ihne zumindest denen einen Vorschlag machen, Ihre Wahrnehmung für Sexismus zu schärfen.

    1. Nun, schreibe ich aber nichts von Mangel an Handlungsmöglichkeiten. Die geschlechtergerechte Sprache ist ja nur ein Punkt, den ich oben anspreche. Und ich schreibe da ganz direkt, das sei etwas, was ich als Wissenschaftsblogger tun kann. Darunter steht etwas anderes, was ich als Wissenschaftsblogger tue, nämlich Vorurteile richtigstellen. Und dafür was ich privat und geschäftlich tue, habe ich weitere Beispiele genannt.

      Gut, Sie halten nichts von Beidnennungen in Texten. Eine andere Wissenschaftlerin hat sich bei mir dafür bedankt. Das ist dann wohl Geschmackssache. Ich weiß wirklich nicht, was dagegen spricht, ab und an Physikerinnen und Physiker zu schreiben, wenn tatsächlich eine gemischte Gruppe gemeint ist.

      Doch, ich versuche Sexismus zu verstehen und zu begegnen, wo er mir auffällt. Dazu brauche ich ab und zu Hilfe, also wenn Sie einen Vorschlag für mich haben, wäre ich ehrlich dankbar. Aber Unterstellungen helfen nicht wirklich weiter.

      1. Nun, schreibe ich aber nichts von Mangel an Handlungsmöglichkeiten.

        Dann war das Folgende wohl etwas missverständlich formuliert:

        Das Bemühen um geschlechtergerechte Sprache ist halt etwas, was ich sehr direkt selbst tun kann. Besser das als gar nichts.

        Doch, ich versuche Sexismus zu verstehen und zu begegnen, wo er mir auffällt. Dazu brauche ich ab und zu Hilfe, also wenn Sie einen Vorschlag für mich haben, wäre ich ehrlich dankbar.

        Wenn mir etwas auffällt, wo Ihr Engagement helfen könnte, werde ich mich melden. Vielen Dank.

  14. Hallo allerseits,

    Bin sonst lieber im Kneipenlog, aber das hier muss ich besenfen (neuer Ausdruck für: meinen Senf dazu geben).
    Also: Der Schieberegler. Am bekanntesten sind wohl die welche sich im Tonstudio auf einem Mischpult drängen. Das sind die Sichtbaren – für beobachtende Augen.

    Im Bereich Biologie haben wir dann den Geburtsschieberegler, Noch’n neues Wort. Auch der beste aller Chirurgen wird vergeblich nach ihm suchen. Richtig! Es ist der Regler zwischen Weiblein und Männlein. Festgewachsen an einer bestimmten (nicht-lokalen, hähä) Stelle. Wie es scheint für immer.
    Oder doch nicht? Immer wieder wird der Versuch gemacht, dieses ärgerliche Naturgesetz zu verändern -wenigstens ein gewisses Stück zu verschieben – eigenen Wünschen entsprechend. Sei es von den Eltern, sonstigen Beinflussern oder des „Opfers“. Der Begriff Opfer ist hier nicht zynisch gemeint.
    Wenn also eine junge hübsche Frau eine A380 fliegt heisst das nicht dass Frauen das auch können – es bedeutet dass d i e s e Frau das auch kann. Natürlich nicht nur wegen des Schiebereglers. Und wenn ein Mann seine Hemden selber bügelt… nein, das ist nicht der richtige Vergleich.
    Hmmm…
    Die obigen wissenschaftlich angehauchten Kommentare lesend fällt mir einmal mehr die Ausklammerung der sogenannten Menschenaffen auf. Achtundneunzig Prozent hin oder her, mit der Krone der Schöpfung hat das doch nix zu tun, odder? Da müssten wir ja zugeben dass die lieben Tierchen das Problem gar nicht kennen. Währe doch ein Thema für genderfrustrierte leicht angeheiterte Student/inn/en. Wieso angeheitert? Na ganz einfach:
    In Vino Veritas… rülps..

    Sorry
    war nicht so gemeint.

    Es lebe die Idealfrau!
    Es lebe der Idealmann!

    :)
    KarlRainer

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